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Insulin-Doping: Seiltanz zwischen Koma und Rekord
von Matthias Bastigkeit (Quelle: ärztliche
Praxis.de)
Im Schatten des Spitzensports findet ein verbissener Wettlauf zwischen
ausgebufften Betrügern und Dopingfahndern statt. Derzeit ist,
besonders bei Bodybuildern, Insulin beliebt. Es hat bereits zahlreiche
Todesopfer gefordert.
Bei Kraftsportlern unterstützt Insulin die Wirkung von Anabolika
wie Testosteron oder Wachstumshormonen, indem es den Muskelzuwachs
konsolidiert. Die Steroide bewirken das Dickenwachstum der Zellen;
Insulin verhindert, dass die gewonnene Masse wieder abgebaut wird.
Doch nicht nur Muskelmänner wissen das Hormon zu schätzen:
Manche Mittelstreckler und andere Bahnläufer nutzen die Ausdauer-fördernde
Wirkung. Möglicherweise nimmt auch gleich die Kraft zu –
durch vermehrte Einlagerung von Glykogen in die Muskelzellen. Um
den gewünschten Effekt zu erzielen, spritzen die Sportler Insulin,
Glukose und/oder Glykogen als Mischinfusion. Die Glukoseaufnahme
in die Muskeln lässt sich so ums Zwölffache steigern.
Der Weg zum optimalen Mischungsverhältnis dieses Cocktails
ist eine mitunter lebensgefährliche Gratwanderung zwischen
extremer Kraft und hypoglykämischem Koma.
Ein niedergelassener Arzt in England hat untersucht, wie viele
der von ihm betreuten 450 Sportler zur Insulinspritze greifen. Mehr
als zehn (!) Prozent gaben einen Missbrauch zu. Den Stoff erhalten
sie meistens von Diabetikern aus der Verwandtschaft.
Seit 1998 führt das IOC (Internationales Olympisches Komitee)
Insulin auf der Dopingliste. Allerdings werden derzeit (noch?) keine
routinemäßigen Tests auf exogenes Insulin vorgenommen.
Sportler mit Diabetes dürfen das Hormon selbstverständlich
anwenden. Sie haben deswegen aber keinen Vorteil, da nur die richtige
Insulin/Glukose-Mischung leistungssteigernd wirkt.
Wie weit Insulindoping in Deutschland verbreitet ist, lässt
sich nur schwer einschätzen. Einige Notaufnahmen haben jedoch
schon über Fälle berichtet, in denen sie hypoglykämische
Bodybuilder nach Missbrauch zu versorgen hatten. Auch der ehemalige
Radprofi Alberto Elli vom Team Telekom kam mit Insulin in die Schlagzeilen.
Bei ihm wurden Spritzen mit Resten des Hormons sichergestellt. Er
wurde gesperrt und fristlos gekündigt.
Die Gefahren des Insulinmissbrauchs sind nicht unerheblich. Wird
eine schwere Hypoglykämie ausgelöst, sagt dies noch nichts
über den weiteren Verlauf: Durch die zerebrale Mangelversorgung
sind Koma und bleibende Hirnschäden nicht auszuschließen.
Die in der Doper-Szene verbreitete Meinung, Missbrauch sei wegen
der physiologischen Eigenschaften und der kurzen Halbwertzeit nicht
nachweisbar, ist falsch. Wird reichlich Insulin von außen
zugeführt, ist zwar viel Insulin, aber kaum C-Peptid nachweisbar.
Das lässt sich labortechnisch durchaus verwerten.
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